Wasser 8
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- Erstellt am Montag, 21. März 2011 17:32
Hier mal die Patente zu der immer wieder "dezent" in Internetforen beworbenen "Wasser-Acht" oder "Wasser 8" …
Dies ist das Patent, mit dem sich die Betreiber von wasseracht.com und auf das auch gewisse Gesellen, die es vertreiben, immer wieder berufen. Ob das die Leute hinter wasseracht.com sind, die damit ab und an durch Internetforen geistern, wage ich zu bezweifeln. Nach dem, was ich auf Aquaristik-Live gesehen habe, tippe ich eher auf Dritte, die diese Wasser8-Ringe unters Volk bringen wollen.
Ich weise darauf hin, dass der Gegenstand des Patentes NICHT dass Verfahren zur Entkalkung ist, sondern lediglich die Ausführungsform. Trotzdem, Prädikat "Lesenswert!", ich habe noch nie bei einem Patent so gelacht:
" … liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung der eingangs genannten Gattung zu schaffen, die selbst von jeder Hausfrau zwischen Einlauf und einem Auslauf einer Zapfstelle eingesetzt werden kann und ein Ansetzen des im Brauchwasser vorhandenen Calciumcarbonats in nachfolgend eingesetzten Geräte und Maschinen, wie Kochendwassergeräten, Waschmaschinen und Spülmaschinen oder dergleichen, nachdrücklich unterbindet."
Sehr interessant, warum das nur für Brauchwasser sein soll. Würde sich doch toll verkaufen, wenn es auch für Trinkwasser wäre, oder? Die Schutzansprüche des Patents beziehen sich sogar explizit nur auf "Vorrichtung zur Behandlung und Aufbereitung von Wasser mit einem Drahtkörper, der in eine Brauchwasserleitung zwischen einem Einlauf und einem Anschluß an einem Auslauf eingesetzt ist, dadurch gekennzeichnet …"
Der Knüller ist aber, dass wohl der Erfinder selber seine Verständnisprobleme hinsichtlich der Wirkungsweise zu haben scheint:

(Hervorhebungen in den Zitaten sind von mir.)
Auf wasseracht.com (wird laut Impressum vom Erfinder betrieben) gibt es noch andere Erklärungen zum Effekt: "Beim Durchfließen des Leitungswassers durch die WASSERACHT wandelt sich der harte Kalk in Kalkstaub um, den Flussspat, der keine Ablagerungen verursacht." (wasseracht.com, abgerufen 21.03.2011)
CaCO3 wird also zu CaF2 durch???
Abgerufen von depatisnet.dpma.de
Das Dokument zum bekannten Verfahren, auf das verwiesen wird, ist dies hier. Dabei handelt es sich NICHT um ein Patent, sondern um eine Offenlegungsschrift. Ist auch nicht wirklich das Verfahren, sondern eine Art das Gerät auszuführen. Das Verfahren wird etwas angerissen in dem Dokument - aber nicht wirklich erklärt. Hier ist auch wieder nur von Brauchwasser die Rede. Es wird auch kaum mehr über das Verfahren erklärt als, dass Kalk bekannter weise spontan (sic!) scheibenförmig ausfallen soll, wenn man das Wasser durch ein Magnetfeld eines Permanentmagnet jagt...
--> Hermann Sacco: "Wasseraufbereiter zum Einsatz in einer Brauchwasserleitung", DE 195019715 A1
Abgerufen von depatisnet.dpma.de
Hier noch die Daten zum Verfahren:
Abfragezeitpunkt: 03.03.2011 22:59:11
Aktenzeichen-DE: 195 19 715.1
UG01 - Kurzer Überblick:
30.05.95 Anmeldetag
Die Anmeldung ist nicht anhängig/das Schutzrecht ist erloschen
Letzter Stand des Verfahrens:
03.02.98 (ZRN4) Die Anmeldung gilt als zurückgenommen wegen Nichtzah-
lung der Jahresgebühr / das Patent ist erloschen wegen
Nichtzahlung der Jahresgebühr(en) für vorliegende(s)
Patent(e) bzw. Hauptpatent(e)
Erfassungsdatum: 02.03.1998
UG11 - Veröffentlichung:
05.12.96 Offenlegung
UG21 - Verfahrensablauf (mit Historie):
30.05.95 Die Anmeldung befindet sich in der Vorprüfung (Offen-
sichtlichkeitsprüfung)
24.11.95 (WAR) Das Vorverfahren ist abgeschlossen
03.02.98 (ZRN4) Die Anmeldung gilt als zurückgenommen wegen Nichtzah-
lung der Jahresgebühr / das Patent ist erloschen wegen
Nichtzahlung der Jahresgebühr(en) für vorliegende(s)
Patent(e) bzw. Hauptpatent(e)
D.h. es wurde eine Anmeldung eingereicht und der Anmelder hat es versanden lassen. So wurde es nie geprüft (abgesehen von der Offensichtlichkeitsprüfung, welche sich auf Formales zur Anmeldung bezieht, nicht auf technisches...) und nach 3 Jahren hat sich das ganze selbst erledigt…
Hier kann man über die Effekte, auf die sich berufen wird, weiterlesen: Wikipedia - Magnetic Water Treatment. Unterm Strich würde ich es zusammenfassen mit: Effekte von magnetischen Feldern sind fraglich aber es gibt immerhin Hinweise, die teuren Anlagen für Haustechnik und Häuslebauer fallen durch und einen billigen Ring, der das alles noch besser können will, hat wohl niemand erst genug genommen, ihn zu untersuchen.

